Die Eichendorf’sche Quelle

Stell dir etwas (für dich persönlich) Gutes vor, von dem du dir gönnen kannst, so viel dein Herz begehrt. Egal wann. Egal wie oft. Es ist immer da. Du musst nicht sparen; nicht haushalten. Wann immer du dir diese Freude genehmigst, kannst du es in dem Bewusstsein tun, dass du auch in der Zukunft die Möglichkeit haben wirst es jederzeit wieder zu tun, wann immer du es willst.

In Freizeitpionier-Kreisen nennt man so etwas eine Eichendorf’sche Quelle. Dieser Begriff ist geprägt durch die Quelle auf der Insel Xias, aus der Martin Eichendorf sich mit Frischwasser versorgt. Im Roman Die Gefängnisinsel ist die Quelle handlungsrelevant, da Martin Eichendorf sonst kaum auf der Gefängnisinsel überleben könnte. Sie hat allerdings, wie sehr viele andere Elemente in dem Roman, auch einen symbolischen Charakter: Sie symbolisiert einen wohltuenden Überfluss; etwas Notwendiges, Begehrtes, das in ausreichender Menge automatisch und dauerhaft (also nachhaltig) vorhanden ist – und damit keine (übermäßige) Sparsamkeit aufzwingt. So wie das Sonnenlicht oder eben das Frischwasser, das unaufhörlich aus einer Quelle sprudelt.

Eine Eichendorf’sche Quelle bedeutet also, dass dir eine notwendige, bzw. begehrte Ressource nachhaltig zur Verfügung steht. Nachhaltig – das ist ein wichtiges Stichwort! Denn Nachhaltigkeit hat eine wesentliche Bedeutung für Freizeitpioniere.

Damit ein aufbauender Freizeitpionier zum erlebenden Freizeitpionier werden kann, kann es je nach persönlichem Lebenstraum notwendig sein, eine oder mehrere Eichendorf’sche Quellen zu schaffen. Das bedeutet einen Zustand herzustellen, der eine erwünschte Ressource (mehr oder weniger) automatisch generiert, damit sie nicht immer und immer wieder durch eigenen Arbeitsaufwand hergestellt werden muss. Denn das artet schnell in Sisyphusarbeit aus, die ein echtes Erleben des eigenen Alltags erheblich erschwert bzw. unter Umständen sogar unmöglich macht.

Eine Eichendorf’sche Quelle charakterisiert, dass sie sich durch Nutzung nicht (irreparabel) abnutzt, bzw. aufbraucht. Etwas, von dem du hier und heute gerne Gebrauch machen kannst, ohne das schlechte Gefühl, dass du es deshalb in der Zukunft nicht mehr zur Verfügung haben wirst. Die Eichendorf'sche Quelle steht somit auch für die Freiheit, nicht aufgrund von übermäßiger Sparsamkeit ständig Abstriche machen zu müssen, die letztendlich das Gesamterlebnis trüben, bzw. zerstören.

Aber was darfst du dir nun unter einer Eichendorf’schen Quelle vorstellen? Ein praktisches Beispiel ist etwa ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung, für die keine Schulden offen sind. Denn dort kannst du nachhaltig wohnen und den Raum nach Herzenslust nutzen, ohne dafür Miete bezahlen zu müssen und ohne, dass das Haus/die Wohnung aufgrund der täglichen Verwendung irgendwann nicht mehr dir gehören wird. Dein Eigentumsrecht verbraucht sich durch die Verwendung nicht.

Ein weiteres Beispiel für eine Eichendorf’sche Quelle ist eine Firma, die du aus Leidenschaft aufgebaut hast und die mittlerweile läuft, ohne, dass du noch viel dafür tun musst. Du bekommst mehr oder weniger automatisch dein Geld – und zwar in einer Dimension, die dir kein übermäßiges Sparen abverlangt – ohne, dass du dafür Montag bis Freitag in der Arbeit zu sein hast.

Oder aber ein Konvolut an Musikstücken, die du mit entsprechendem Erfolg veröffentlicht hast, sodass du laufend Geld in Form von Tantiemen bekommst, ohne, dass du selbst noch wesentlich etwas dafür tun musst.

Gespartes Geld ist hingegen keine Eichendorf’sche Quelle: Verwendest du es, dann verbrauchst du es. Du kannst es nicht hier und heute einsetzen, um dein Leben zu genießen, ohne dir dadurch selbst etwas in der Zukunft wegzunehmen.
Das mag vielleicht kein Problem sein für Menschen, die sich mit ein paar seltenen, schönen Momenten im Leben begnügen – doch für Freizeitpioniere ist der Gedanke durchaus problematisch, eine mühevoll geschaffene Ressource für ein kurzlebiges Vergnügen aufzuwenden.

Daher bist du als Freizeitpionier bestrebt, die für die Nachhaltigkeit deines persönlichen Lebenstraumes erforderlichen Eichendorf’schen Quellen zu schaffen. Als Werkzeug dafür hast du deinen zentralen, strukturgebenden Traum: Deine Idee, wie du dein Leben nachhaltig in die Bahnen lenken kannst, die du dir wirklich wünscht – und damit nachhaltig genau den Alltag (er)lebst, den du Tag für Tag erleben möchtest.


Bildquelle: Thomas Sailer

                                   


Literatur

Leb deinen Traum: Sei Freizeitpionier (2021)

ISBN: 978-3-347-29662-6



Die Gefängnisinsel (2018)

ISBN: 978-3-7469-2713-8


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