Bitte bleibt zuhause!

Vor wenigen Tagen hat sich in Österreich das tägliche Leben stark verändert. Schon seit einiger Zeit war dieses Coronavirus in den Medien präsent, aber kaum jemand hat damit gerechnet, dass es ernsthafte Auswirkungen auf unseren Alltag haben würde. Plötzlich ist das aber Realität. Die Bundesregierung hat seit Bestehen der Republik noch nie dagewesene Maßnahmen ausgerufen: Viele Branchen mussten bis auf weiteres schließen – für jedermann gelten Ausgangsbeschränkungen. Ja, ganz Recht! Gegenwärtig dürfen wir niemanden treffen und unsere Häuser und Wohnungen nur unter bestimmten Voraussetzungen verlassen.

Das sind harte Maßnahmen und ich gebe zu, sie haben mich wirklich überrascht. Ich habe das Coronavirus bis vor wenigen Tagen nicht sonderlich ernst genommen und hätte mir nicht träumen lassen, dass die Bundesregierung bereit sein würde das allseits verehrte goldene Kalb – die Wirtschaft – deswegen irgendeinem Schaden auszusetzen. Doch genau das ist geschehen: In Österreich und auch in sehr vielen anderen Staaten dieser Welt hat die Wirtschaft gegenwärtig das Nachsehen. Zur Priorität erklärt wurde bis auf weiteres die Eindämmung des Coronavirus.

Als ich vor wenigen Tagen gelesen habe, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz erklärt hatte, es gäbe ab sofort nur noch drei Gründe das Haus zu verlassen, war mein erster Gedanke: „Ich lasse mir garantiert nicht verbieten aus dem Haus zu gehen. So weit kommt es noch!“
Ich bin gemeinhin nicht dafür bekannt, dass ich Regeln besonders schätze. Vor allem keine strengen Regeln. Das mag daran liegen, dass ich als unbestreitbarer Konfliktvermeider Regeln meist sehr genau einhalte und sie deshalb besonders schnell als (übertriebene, unnötige) Einschränkung empfinde.
Wer meine Bücher gelesen hat, weiß, dass ich Legislative, Judikative und nicht zuletzt auch Exekutive durchaus kritisch im Visier habe. Ich bin ganz sicher niemand, der den Behörden großes Vertrauen entgegenbringt und jede ihrer Entscheidung sofort beklatscht. Aber in diesem Fall appelliere ich an jeden meiner Leser: Bitte, nehmt die von der Bundesregierung vorgegebenen Schritte ernst!
Es gibt viele Regeln, gegen die wir aufbegehren sollten. Regeln, die uns einschnüren – gegen die wir uns auflehnen müssen, da wir sie andernfalls dauerhaft werden akzeptieren müssen. Um dergleichen geht es jetzt aber nicht. Wir befinden uns in einem Ausnahmezustand. Es geht um Einschränkungen auf kurze Zeit, die ein klar definiertes Ziel verfolgen: Das Coronavirus einzudämmen, damit Österreich – also jeder einzelne von uns – möglichst bald wieder in einen normalen und gesunden Alltag zurückkehren kann!

Provokantes Verhalten – die bewusste Missachtung der gegenwärtigen Regelungen – ist in diesem Fall nicht angebracht. Das führt höchstens dazu, dass die Lage noch ernster und die Maßnahmen noch schärfer, beziehungsweise langwieriger werden. Nämlich dann, wenn die Zahl an Neuerkrankungen wegen gut gemeinter Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten und vielleicht als lustig empfundener „Coronapartys“ nicht wie anvisiert abnimmt. Wenn wir jetzt aber alle unseren Beitrag dazu leisten, dieses Virus auszuhungern, können wir voraussichtlich in absehbarer Zeit wieder in den gewohnten Alltag zurückkehren.

Natürlich kann man argumentieren, dass das Coronavirus bei der großen Mehrheit ohnehin nur milde Symptome hervorruft. Doch selbst wenn diese neuartige Erkrankung für viele Menschen nicht unmittelbar lebensbedrohlich ist, geht davon offenbar eine besondere gesamtgesellschaftliche Gefahr aus – sonst wäre die österreichische Bundesregierung (wie übrigens auch die Regierungen vieler anderer Länder) niemals dazu bereit, so drastische Schritte zu setzen und das gesamte Land auf ein notwendiges Minimum herunterzufahren. Wäre die Lage eigentlich halb so wild, würde bestimmt kein Politiker riskieren wegen der bevorstehenden Schäden für die Wirtschaft und die Allgemeinheit in Ungnade zu fallen.
Ja, in der Tat – das dicke Ende kommt erst noch: Der Volkswirtschaft entsteht ein Schaden in Milliardenhöhe, viele Firmen müssen schließen, viele Menschen verlieren ihre Arbeit. Früher oder später wird wohl auch geklärt werden müssen, wie dieses klaffende Loch im Budget denn wieder getilgt werden soll (Wer soll das bezahlen, wenn nicht der Steuerzahler?). Oh ja, diese ganze Angelegenheit wird noch reichlich … ähm … interessant. Unsere Spitzenpolitiker wissen, dass all diese Dinge passieren werden. Warum also sollten sie sich selbst diese Bürde auferlegen, wenn die Situation nicht tatsächlich ernst wäre?

Letztendlich möchte ich noch anmerken, dass immer noch der Ton die Musik macht. Es ist immer ein Unterschied, ob Regeln einfach von oben herab oktroyiert werden oder ob auch entsprechend erklärt wird, weshalb sie notwendig sind. Ich für meinen Teil kann (zumindest auf Zeit) auch strenge Regeln akzeptieren, wenn ich einen echten Sinn dahinter erkenne. In diesem Falls beabsichtigt die Bundesregierung nicht uns unnötig einzuschränken: Obwohl die Lage angespannt ist, haben wir vorerst nur Ausgangsbeschränkungen – keine Ausgangssperre. Der Bundeskanzler selbst hat betont, dass wir sehr wohl hinausgehen dürfen. Aber alleine. Nur treffen dürfen wir einstweilen niemanden – weil der Kontakt von Mensch zu Mensch nun einmal die Kette bildet, über die sich eine ansteckende Krankheit ausbreitet. Insofern machen die gegenwärtigen Vorschriften durchaus Sinn.
Ich bin kein Virologe, aber ich weiß wie sich Krankheiten verbreiten. Isolation ist der effektivste Weg, der uns zur Verfügung steht. Also bitte: Geht spazieren (alleine), telefoniert und chattet mit euren Freunden und Bekannten so viel ihr wollt, nutzt eure Freizeit und genießt das Leben – aber bitte, bleibt ansonsten zuhause und haltet mal eine Zeit lang aus ohne mit anderen Leuten in direkten Kontakt zu kommen.

Danke!!!
Photo:Thomas Sailer

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